Aktivurlaub Archäologie in Niederbayern 2013: Archäologische Ausgrabungen in Aich bei Altdorf

Abb. 1: Die Grabungsfläche 2013 während des Oberbodenabtrages. Foto C.Piller.
Abb. 2: Die Ofengrube Befund 1 im Längsprofil. Gut zu erkennen ist die Steinpackung (weiß) im östlichen Bereich sowie der verziegelte Lehm (orange) vor dem Ofenmund. Zeichnung von C.Schink und C.Piller.
Abb. 3: Hallstattliche Scherben mit Graphitbemalung aus Befund 1. Foto C.Piller.
Abb. 4: Randscherben eines Glockenbechers aus Befund 1. Foto C.Piller.
Abb. 5: Kreuzschnitt in Befund 5. Foto C.Piller.
Abb. 6: Fragmente einer Schale aus Befund 5. Foto C. Piller, Zeichnung M. Lerchl.

von Christian Konrad Piller

 

Im August 2013 konnte im Rahmen des Projektes „Aktivurlaub Archäologie in Niederbayern“ eine zweiwöchige archäologische Ausgrabung in der Gemeinde Altdorf bei Landshut, durchgeführt werden. Die Grabungsarbeiten konzentrierten sich auf eine kleine Sondage nördlich des Ortsteiles Aich. Das Gelände fällt in diesem Bereich von Nord nach Süd leicht ab. Die südliche Flurgrenze und die dort befindliche Teerstraße bilden die Hochwassergrenze zur nur wenige hundert Meter entfernten Pfettrach. Der Oberboden besteht aus einer mittelbraunen Humusauflage, der gewachsene Boden darunter ist hellgelber Löß. Damit befindet sich die Fundstelle in guter, hochwassersicherer Südhanglage auf landwirtschaftlich gut nutzbaren, ausgesprochen fruchtbaren Böden (Abb. 1).

Seit Längerem waren aus dieser Region Oberflächenfunde vorgeschichtlicher Keramik bekannt. Durch eine vorgreifende Feldbegehung im Herbst 2012 konnte im Bereich einer schwach  ausgebildeten   Kuppe   am   östlichen   Rand   des   Flurstückes   eine  verstärkte

Konzentration von Funden festgestellt werden. Aus diesem Grund entschloss man sich, in diesem Bereich einen Suchschnitt zur Klärung des Vorhandenseins und des derzeitigen Erhaltungszustandes etwaiger Bodendenkmäler anzulegen.

Insgesamt konnten sieben archäologische Befunde untersucht werden, die sich als dunkle Verfärbungen im umgebenden Erdreich abzeichneten. Bei drei Befunden (Befunde 2, 3 und 4) handelte es sich um kleine Gruben bzw. Pfostenlöcher. Ob diese Verfärbungen ursprünglich zu einem gemeinsamen Hausgrundriss gehörten, lässt sich aufgrund der begrenzten Grabungsfläche nicht sagen. Die wenigen Funde ermöglichen lediglich eine allgemeine Datierung in die vorgeschichtliche Zeit.

Die  Befunde  6  und  7  waren  mittelgroße,  annähernd  runde  Gruben  einheitlich  dunkler Verfüllung.  Die                       Funde               bestanden    aus     wenigen,     meist     kleinteilig     zerscherbten Keramikfragmenten  und  Tierknochen.  Während  Befund  7  keine  aussagekräftigen  Funde enthielt, lieferte Befund 6 unter anderem eine graphitierte Scherbe mit Riefenmuster, die als Fragment einer hallstattzeitlichen Schüssel oder Stufenschale angesprochen werden kann. Zu diesem Datierungsansatz passen auch eine Scherbe mit eingeritztem Rautenmuster sowie das Fragment  eines  tönernen  Spinnwirtels  mit  eingekerbtem  Rand,  wie  er  auch  in  anderen hallstattzeitlichen Fundorten in Süddeutschland, unter anderem auf der Heuneburg, belegt ist. Die  Gruben  Befund  1  und  5  sind  allgemein  als  so  genannte  „technische  Befunde“  zu interpretieren. Befund 1 kann aufgrund der Steinsetzungen im östlichen Grubenbereich, des daran befindlichen verziegelten Lehms und der zahlreichen Holzkohlepartikel als Ofen mit vorgelagerter Arbeitsgrube angesprochen werden (Abb. 2).

Vor allem im Zentralbereich fanden sich zahlreiche Fragmente graphitierter hallstattzeitlicher Keramik,  die  mit  Radstempelmustern und  eingedrückten  Kreisaugen  verziert  sind.  Zu erwähnen sind auch mehrere Bruchstücke eines dunkelroten, mit Graphitstreifen bemalten Gefäßes, das ebenfalls in die Hallstattzeit einzuordnen ist (Abb. 3).

Eine andere Zeitstellung nehmen zwei zusammengehörige Randscherben aus dem oberflächennahen Bereich im Südosten des Befundes ein, die eindeutig als Fragmente eines endneolithischen Glockenbechers angesprochen werden können und damit bedeutend älter sind als die restlichen keramischen Funde dieses Befundes (Abb. 4).

Hiermit stellt sich die Frage, auf welchem Wege diese Scherben in eine hallstattzeitliche Ofengrube gelangt sind. Form und Anlage der Grube geben Anlass zu der Annahme, dass der gesamte Befund in einem Arbeitsgang ausgehoben und genutzt wurde. Hierbei könnte ein älterer Befund der Glockenbecherkultur (evtl. ein flaches Körpergrab?) versehentlich zerstört worden sein. In diesem Zusammenhang wäre eine genauere Untersuchung der aus Befund 1 geborgenen Knochen wünschenswert, um das etwaige Vorhandensein menschlicher Skelettreste feststellen zu können.

Beim maschinellen Oberbodenabtrag stellte sich überraschend heraus, dass die Befunde 5, 6 und 7 noch im humosen Oberboden erhalten war. Offenbar hatte der Pflug des Bauern hier nicht tief genug eingegriffen, um die Befunde bis zum gewachsenen Boden zu zerstören. Bei Befund 5 handelt es sich um eine flache, wannenförmige Grube mit steiler Wandung. Die Oberfläche ist annähernd trapezoid mit stark abgerundeten Ecken. Bereits an der Oberfläche waren über den gesamten Befund verteilt zahlreiche Kieselsteine zu erkennen, die deutliche Spuren von Hitzeeinwirkung aufwiesen. Wie sich in den Profilen der Schnitte zeigte, reichte diese Steinpackung bis fast an den Boden der Grube (Abb. 5).

Entlang der Grubenwände und teilweise auch an der Sohle zeigte sich ein nur wenige Zentimeter starkes Band aus verziegeltem Lehm. Auf Hitzeeinwirkung und den Gebrauch von Feuer in der Grube weist auch die schwärzlich-braune Verfüllung mit größeren Holzkohleanteilen hin.

Der Gesamteindruck lässt darauf schließen, dass es sich um eine so genannte Brand- oder Brenngrube handelt, wie sie in verschiedenen Regionen Europas in bronze- und eisenzeitlichen Zusammenhängen auftreten. Der exakte Verwendungszweck dieser Gruben ist immer noch nicht abschließend geklärt und wird in der jüngeren Literatur ausgiebig diskutiert; eine Verwendung als Kochgrube kann jedoch als wahrscheinlich angesehen werden. Wie Ausgrabungen an anderen Orten zeigen, tauchen derartige Gruben meist in größerer Zahl in geringer Entfernung zueinander auf. Manchmal befinden sich Brandgruben auch in der Nähe von Gräberfeldern. In solchen Fällen wird bisweilen angenommen, es handele sich um Vorrichtungen zur Zubereitung des Totenmahls. Dies würde im Falle von Aich auch vielversprechende Ergebnisse für zukünftige Grabungen in Aussicht stellen.

Die für die Brandgrube benötigten Kieselsteine dürften - auch dies eine Gemeinsamkeit mit anderen Befunden dieser Art - offensichtlich aus einer gewissen Entfernung herangebracht worden sein. Weder die nahe gelegene Pfettrach noch die angrenzenden Ausläufer des tertiären Hügellandes liefern entsprechendes Material. Am wahrscheinlichsten ist eine Herkunft der Kieselsteine aus dem Flussbett der Isar, die heute immerhin fünf Kilometer von der Fundstelle entfernt liegt.

Im Gegensatz zur Mehrheit der vergleichbaren Brandgruben, die meist nur wenige Funde enthielten, lieferte Befund 5 vergleichsweise große Mengen an Grob- und  Feinkeramik. Hierzu ist anzumerken, dass - abgesehen von wenigen kleinen kalzinierten Knochenfragmenten - weder die Tierknochen noch die Keramik Anzeichen von Hitzeeinwirkung oder Feuer aufweisen. Damit scheint klar, dass diese Funde erst nach der Nutzung, vermutlich im Zuge der Auflassung der Grube, in den Befund gelangt sind.

Oberflächennah zeigten sich vor allem im Zentralbereich des Befundes neben einigen Tierknochen auch zahlreiche Keramikscherben, letztere teilweise in regelrechten Paketen übereinander. Hierbei handelt es sich um die Reste von mindestens zwei größeren Gefäßen aus Grobkeramik sowie eine Reihe von zum Teil verzierten Fragmenten feinerer Keramik, die dazwischen aufgefunden wurde. Aufgrund der deutlich abgesetzten Gefäßböden und der markanten Fingerstrichrauhung eines der Großgefäße deutet sich eine Zeitstellung innerhalb der Späten Bronzezeit an. Dieser Ansatz wird auch durch das zweite Großgefäß unterstrichen, das zwei horizontale Tupfenleisten (eine unterhalb des Randes, die zweite am Umbruch von Hals zu Schulter) aufweist, die wiederum mit vertikal aufgesetzten Tupfenleisten verbunden sind. Vergleichbares findet sich verschiedentlich bei spätbronzezeitlicher Grobkeramik in Süddeutschland.

Auch ein Teil der leider meist sehr kleinteilig zerscherbten Feinkeramik lässt sich dem spätbronzezeitlichen Fundspektrum zuordnen. Dies betrifft vor allem Scherben, die in der charakteristischen Kerbschnitttechnik verziert sind. Ungewöhnlich bezüglich der Warenart und der Verzierung sind drei zusammen passende Fragmente einer flachen, dünnwandigen Schale, die inmitten der zerscherbten Großkeramik lagen (Abb. 6).

Während sich das Band mit eingedrückten spitzwinkligen Dreiecken durchaus in das allgemeine Verzierungsrepertoire spätbronzezeitlicher Keramik einpassen lässt, scheint das aufwändige Sternenornament bisher eher ungewöhnlich. Vergleiche bezüglich dieses Motives lassen sich allenfalls zu den sogenannten Böhmischen Scheibenkopfnadeln der Späten Bronzezeit herstellen. Insgesamt kann also von einer Datierung des Befundes in die Späte Bronzezeit ausgegangen werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass auf der begrenzten Grabungsfläche Teile eines spätbronze- bis hallstattzeitlichen Werkstattareals ergraben werden konnten. Neben einer hallstattzeitlichen Ofenanlage konnte auch eine der in Süddeutschland immer noch vergleichsweise selten vorliegenden Brenngruben der Spätbronzezeit ausgegraben und dokumentiert werden. Eine weitere wissenschaftliche Auswertung verspricht interessante Erkenntnisse zu diesen Befunden und den daraus geborgenen Artefakten.

Eine gekürzte Version dieses Berichtes wird in „Das Archäologische Jahr in Bayern 2013“ abgedruckt. Erscheinungsdatum voraussichtlich Oktober 2014.

Weiterführende Literatur                                        

J. Fritz, Eine neu entdeckte hallstattzeitliche Siedlung in der Gemarkung „Hustatt“ bei Einhausen, Lkr. Schmalkalden-Meiningen, Neue Ausgrabungen und Funde in Thüringen 6, 2010-2011, 97-105.

 

M. Honeck, Nichts als heiße Steine? Zur Deutung der Brenngruben der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit in Deutschland, Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 166, Bonn 2009.

 

S. Mühlemeier, Bronzezeitliches Handwerk in Schwabmünchen, Das Archäologische Jahr in Bayern 2005, 2006, 34-35.

 

U. Putz, Nachweise graphitierter Keramik von der Bronze- bis zur Hallstattzeit, in: K. Schmotz (Hrsg.), Vorträge des 29. Niederbayerischen Archäologentages, Rahden 2011, 433- 447.

 

S. Sievers, Die Kleinfunde der Heuneburg, Römisch-Germanische Forschungen 42, Mainz 1984.

 

A. Stapel, Spätbronzezeitliche Keramik aus Eching-Viecht, Lkr. Landshut. Überlegungen zur Deutung eines Grubeninhaltes, Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 38, 1997, 107- 187.

 

A. Stapel, Bronzezeitliche Deponierungen im Siedlungsbereich. Altdorf-Römerfeld und Altheim, Landkreis Landshut, Tübinger Schriften zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie, New York/Berlin 1999.

 

S. Stork, Die Hallstattzeit in Niederbayern. Eine Materialvorlage der Funde bis 1982, Rahden 2004.

W. Torbrügge, Die Bronzezeit in der Oberpfalz, Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte 13, Kallmünz 1959.

 

P. Trebsche, Eisenzeitliche Graphittonkeramik im mittleren Donauraum, in: K. Schmotz (Hrsg.), Vorträge des 29. Niederbayerischen Archäologentages, Rahden 2011, 449-481.

 

 

 

 

 

 
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